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Crowdfunding-Tipps aus erster Hand | HONGi im Interview

CrowdCircus.com 22 July 2017

Soeben konnte das Matratzen Start-Up „HONGi“ seine erste Crowdfunding-Kampagne erfolgreich beenden. Wie es dem jungen Unternehmen gelungen ist, dadurch auf den Radar von Journalisten, potenziellen Kunden, Wettbewerbern und B2B Partnern zu kommen und welche Tipps man anderen Start-Ups vor der ersten Crowdfunding-Kampagne geben würde, erklärt CEO Peter Leyhr im Interview mit CrowdCircus.com.

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CrowdCircus.com: Für all jene Leser, denen euer Unternehmen noch kein Begriff ist: Könntest Du uns "HONGi" und das dahinterstehende Konzept bitte in aller Kürze vorstellen? 

Peter Leyhr: Wir glauben nicht, dass alle Menschen gleich sind und daher bieten wir von HONGi personalisierte Matratzen aus unterschiedlichsten Materialien – beispielsweise auch Boxspring - die in einer praktischen Box direkt zu dir nach Hause geliefert werden. Bei Doppelmatratzen gibt es auch keine „Besucherritze“ und trotzdem hat jeder seine Seite so wie er/sie es mag. Dank Konfigurator finden wir in nur 5 Minuten heraus, was du magst (Liegegefühle/Präferenzen) und was du benötigst (etwa ob du im Bett auch lesen möchtest oder unter bestimmten Rückenbeschwerden leidest etc.) und produzieren  deine perfekte Matratze dann nur für dich. Wir produzieren lokal, da es auch unterschiedliche Präferenzen in unterschiedlichen Märkten gibt (ein „weich“ in Österreich wird beispielsweise in den USA bereits als „mittelhart“ empfunden) und wir die Umwelt schonen wollen. Obwohl wir die Matratzen immer individuell anfertigen gewähren wir 100 Tage 100% Geld-zurück-Zufriedenheitsgarantie. Das alles bei einer durchschnittlichen Lieferzeit von lediglich knapp 2 Wochen.

CrowdCircus.com: Soeben konntet ihr eure erste Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform "indiegogo" erfolgreich beenden: Wie fällt euer unmittelbares Resümee aus?
Peter Leyhr: Eine extreme Erfahrung für alle Beteiligten. Wir konnten damit viel PR erzielen, erste Verkäufe in einem für uns neuen Markt (USA) generieren und wichtige B2B Kontakte gewinnen. Allerdings war die Kampagne auch mit einigen Kosten und einem sehr hohen Zeitaufwand verbunden.

HONGi-CEO Peter Leyhr im Interview mit CrowdCircus.com
HONGi-CEO Peter Leyhr im Interview mit CrowdCircus.com

 

CrowdCircus.com: Was waren die ausschlaggebenden Gründe dafür, dass "HONGi" auf Crowdfunding gesetzt hat? Konntet ihr eure anvisierten Ziele damit erreichen?
Peter Leyhr: Wir wollten in den amerikanischen Markt einsteigen und hatten nicht das Marketingbudget für eine große Werbekampagne. Daher war es unser Ziel, mit dieser Crowdfunding-Kampagne auf den Radar von Journalisten, potenziellen Kunden, Wettbewerbern und B2B Partnern zu kommen. Nach einem zugegebenermaßen etwas holprigen Start haben wir dieses Ziel absolut erreichen können. Wir mussten allerdings erst einmal lernen was für amerikanische Journalisten relevant ist. Nachdem dies gelang, konnten wir eine sehr große Reichweite erzielen. Direkte Absätze sind für Matratzenunternehmen auf Crowdfunding-Plattformen immer schwierig, da User hier üblicherweise nach anderen Produkten suchen. Dennoch konnten wir über 27.000 € an direkten Matratzenverkäufen erzielen sowie B2B Deals im niedrigen sechsstelligen Bereich generieren. Unterm Strich haben wir unsere gesetzten Ziele also erreichen beziehungsweise in einigen Aspekten übererfüllen können, auch wenn wir natürlich sehr gerne noch mehr B2C Kunden erreicht hätten.

Maßgeblich am Erfolg der HONGi Crowdfunding-Kampagne beteiligt: Vsevolod Shchepanskyi, Co-Founder, Head of Business Development and Strategy
Maßgeblich am Erfolg der HONGi Crowdfunding-Kampagne beteiligt: Vsevolod Shchepanskyi, Co-Founder, Head of Business Development and Strategy

 

CrowdCircus.com: Auch hierzulande gibt es zahlreiche etablierte Crowdfunding-Plattformen: Aus welchen Gründen fiel eure Wahl auf "indiegogo"?
Peter Leyhr: In Europa sind wir derzeit nur in der DACH-Region aktiv. Da wir dort bereits auf dem Markt präsent sind, war keine Crowdfunding-Kampagne mehr nötig. Eine Kampagne aus Finanzierungsmotiven – beispielsweise Equity-Crowdfunding - macht für uns derzeit keinen Sinn, da bei physischen Produkten ein zu großer Finanzierungsbedarf besteht. Wenn man, wie manche unserer Mitbewerber, ausschließlich auf Marketingkompetenzen setzt und die Matratzenproduktion durch Fremdanbieter abwickelt, ist der Bedarf sicherlich geringer. Nachdem wir aber selbst forschen und entwickeln, können wir diesen Bedarf derzeit leider noch nicht über Crowdfunding-Formen abdecken.

CrowdCircus.com: Wie sehen die weiteren Expansionspläne von "HONGi" aus - und könnte Crowdfunding für euch in Zukunft nochmals relevant werden?
Peter Leyhr: Wir konzentrieren uns jetzt erst einmal ganz auf die Märkte DACH-Region sowie die USA. Mittelfrist sind für uns auch Australien, Frankreich und UK sehr spannende Märkte. Bevor wir allerdings in weitere Märkte expandieren, werden wir unsere Sortimentsbreite ausbauen. Für spezielle Produkte - wie beispielsweise Smartpillows - sind dann natürlich auch wieder Crowdfunding-Kampagnen spannende Möglichkeiten, um sowohl Bekanntheitsgrad als auch Absatzzahlen zu erhöhen. Wir beobachten auch die Entwicklung von Equity-Crowdfunding mit Spannung. Es gibt nichts Besseres als Fans deiner Produkte als Miteigentümer zu haben. Wenn das realistische Finanzierungsvolumen deutlich anwächst werden wir uns auch damit intensiv beschäftigen.

Was sollten Startups vor ihrer ersten Crowdfunding-Kampagne beachten?
"Kalkuliert mit einem realistischen Maß an Zeitaufwand und multipliziert dieses Ergebnis dann mal drei ;-) Setzt euch ehrgeizige Ziele, aber lasst euch nicht von den wenigen Multimillionen Kampagnen blenden (...)"

CrowdCircus.com: Welche Tipps würdet ihr Startups geben, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen, eine Crowdfunding-Kampagne zu starten?
Peter Leyhr: Kalkuliert mit einem realistischen Maß an Zeitaufwand und multipliziert dieses Ergebnis dann mal drei ;-) Setzt euch ehrgeizige Ziele, aber lasst euch nicht von den wenigen Multimillionen Kampagnen blenden. Crowdfunding ist wirklich schwer und erinnert ein wenig an den Versuch CDs aus dem Kofferraum zu verkaufen. Wenn du wirklich eine bahnbrechende Idee hast, kann es sein, dass Leute nur in die Idee investieren und massiv kompromissbereit sind. Bei allen anderen Projekten müsst ihr mit eurer Seite wirklich schon verkaufen können: Nutzer müssen sich für euch und euer Produkt begeistern können. Und zwar so sehr, dass sie auch längere Wartezeiten in Kauf nehmen.

CrowdCircus.com: Abschließend: Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Namen "HONGi"?

Peter Leyhr: HONGi nennt man den persönlichen Willkommensgruß der neuseeländischen Maori: Stirn an Stirn – Nase auf Nase tauscht man dort zur Begrüßung den Atem des Lebens aus. Unsere Matratzen sind dein HONGi für zuhause. Sie sollen dich jeden Tag mit neuer Energie den Tag begrüßen lassen.

CrowdCircus.com: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg, Peter!

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